Episode 078
Verblassende Erinnerungen

Episode 078

Verblassende Erinnerungen

Ein Anruf aus Kanada weckt in Gillian alte Erinnerungen an Josh. Während Trauer und Dankbarkeit ineinanderfließen, wird ihr noch klarer, mit wem sie ihre Zukunft teilen will.

Meine Mum rief mich schon am frühen Morgen an. Wir redeten eine Weile. Sie und mein Dad hatten in Kanada eine Show von Mac und Josh besucht. Die beiden wussten ja nichts von den ganzen Umständen hier.

Gillian: „Ja Mum. Ich hab Dich lieb. Grüß Dad von mir. Ja, sag ich. Bis bald.“

Nachdem ich aufgelegt hatte, fühlte ich mich deprimiert. Bilder von Josh und mir schwebten in meinen Gedanken.

Gillian: [Gedankenblase] „Ich war so glücklich und es war so viel passiert in letzter Zeit. Schon lange musste ich nicht mehr an ihn denken, obwohl ich die leere Stelle in mir – immer mit mir trug.“

Auf dem Weg zum Stall blieb ich unwillkürlich stehen und sah zu Joshs Platz hinüber. Ganz schwach konnte ich ihn dort auf Pearl Hart sehen.

Gillian: [Gedankenblase] „Joshs Platz. Hier war er immer zu finden. Aber jetzt, außer einer verblassenden Erinnerung – nichts“

Plötzlich stand Jamie neben mir. Ich war so in Gedanken, dass ich es nicht mal gemerkt hatte.

Jamie: „Du vermisst ihn, nicht wahr? Komm lass uns ein Stück gehen.“

Gillian: [Gedankenblase] „Jamie … ich bin so froh, dass er in diesem Moment hier bei mir ist.“

Wir gingen ein Stück und setzten uns

Gillian: „Meine Mum hat heute angerufen. Sie waren auf einer der Shows und haben ihn gesehen. Ich liebe ihn immer noch – aber anders … als einen Freund, den ich verloren habe und das macht mich gerade traurig.“

Jamie: „Danke, dass Du so offen bist. Es macht mir keine Angst, denn es klingt nicht nach Zweifel. Du schaust nicht zurück, Du erinnerst Dich. Ich bin für Dich da und höre zu. Lass uns einfach eine Weile hier zusammen sitzen.“

Wir sprachen nicht. Wir saßen nah beieinander und jeder ging seinen Gedanken nach. Am Mittag beschlossen wir auszureiten. Ich war Jamie so dankbar. Meine Trauer um den verlorenen Freund würde mit der Zeit sicher leise verklingen. Aber meine Gefühle für Jamie wuchsen mit jedem Moment. Er hatte dieses feine Gespür. Er hörte zu, ohne zu drängen. Er tröstete, ohne etwas lösen zu müssen. Er brachte Humor, wenn er nötig war und Schutz, wenn er gebraucht wurde. Mit ihm fühlte sich Nähe ruhig an. Er war da. Jamie redete und scherzte auf unserem Ausritt. Und trotzdem spürte ich, wie nachdenklich er war.

Jamie: [Gedankenblase] „Josh war ein Teil ihres Lebens – lange vor mir. Diese Gefühle nehmen mir nichts. Sie zeigen nur, dass er ihr wichtig war. Ich liebe sie. Und ihre Vergangenheit gehört zu ihr.“

Ich fragte mich, ob ich seiner Liebe wirklich gerecht wurde. Er wünschte sich mehr Nähe. Einen nächsten Schritt. Ich wusste, dass er weiter dachte als ich. An ein gemeinsames Zuhause … an ein Morgen. Dabei waren seine Träume auch meine. Ich brauchte nur länger, um sie auszusprechen. Doch eines wusste ich genau, er war der Mann, mit dem ich mein Leben teilen wollte. Am Abend stand ich auf dem Hof und ich blickte hoch zum Haus. Jamie kam und legte den Arm um mich.

Gillian: „Weißt Du, dieses Haus ist schon verdammt groß … da wäre sicher noch Platz für den Kram aus einer Junggesellenbude.“

Jamie: „Wenn der Junggeselle mit einziehen darf, würde ich dieses neue Zuhause gerne annehmen.“

Deutsch Deutsch lesen
Originalfassung

English Read in English
Translated version

Zur Bilderfolge

© Meadowland − Story & Artwork by Gillian Meadowland • All rights reserved.