Die Percheron-Stute Rose hat panische Angst vor Wagen und wird auf Meadowland zum Risiko. Als ein Trainingsversuch schiefgeht, steht plötzlich weit mehr auf dem Spiel als nur ihr Vertrauen.
Carin vom Goldblatt Stall hatte wegen eines Pferdes angerufen und mich gebeten vorbeizukommen.
Gillian: „Hi Carin, ich bin Gillian. Du hast wegen eines Pferdes angerufen.“
Carin: „Ja, es geht um Rose. Eine Percheron Stute. Wir haben sie für Planwagenfahrten durch Golden Hills gekauft.“
Wir gingen in den Stall. Rose war ein imposantes und wunderschönes Tier.
Gillian: „Wow, so eine Hübsche. Was ist ihr Problem?“
Carin: „Wir wollten sie einfahren, aber der Planwagen macht ihr Angst. Sie geht durch. Wir hoffen Du kannst uns helfen.“
Rose kam nach Meadowland. Da sie barhuf ging, führ ich mit ihr zuerst zu Conrad Marsdeen – dem Schmied. Ein Zugpferd braucht einen guten Beschlag. Conrad hatte viel zu tun, so ein Percheron-Huf ist riesig.
Conrad: „Wir machen gleich einen winterfesten Beschlag, den wird sie die nächsten Wochen brauchen.“
Für den Winter legte er Grips unter den Hufeisen ein, damit sich beim Laufen auf Schnee keine festen Klumpen unter den Hufen festtraten. Ich beschloss mit Rose nochmal ganz von vorne anzufangen. Deshalb übten wir die ersten Tage nur das Laufen an der Doppellonge. Im Schritt war es kein Problem, aber im Trab musste ich ganz schön rennen, um mit der Riesin Schritt zu halten. Rose arbeitete gut mit und lief brav und gleichmäßig. Ich entschied den nächsten Schritt zu wagen. Jamie und ich nahmen einen alten Wagen und spannten Rose ein.
Gillian: „Danke, dass Du mir hilfst Jamie. Mal sehen, wie sie mit dem Wagen zurecht kommt. Ein Planwagen ist es zwar nicht, aber der muss reichen.“
Jamie: „So wie sie in den letzten Tagen mitgearbeitet hat, sollte das hier kein Problem sein. Vielleicht hat sie bei Carins Wage nur die Plane gestört. Also, lass und loslegen.“
Jamie saß auf dem Wagen und treib Rose langsam an loszulaufen. Die ersten Meter lief Rose brav vor dem Wagen. Doch als Jamie sie zum Traben bringen wollte – passierte es. Rose fiel sofort in einen schnellen Galopp und machte einen Schlenker. Der alte Wagen war hierfür nicht ausgerichtet, kam in Wanken und kippte zu Seite um.
Gillian: „Oh mein Gott Jamie!!! Bleib liegen ich komme.“
Jamie: „So wie es aussieht, käme ich eh nicht weit. Mein Bein liegt unter dem Wagen. Ruf jemanden, der Dir hilft ihn anzuheben … und fang Rose ein!“
Rose war in heller Aufregung. Sie riss sich vom Wagen los und galoppierte im höchsten Tempo über den Platz. Es war nicht einfach sie einzufangen und zu beruhigen, doch Wesley schaffte es schließlich. Wir schafften es Jamie unter dem Wagen herauszuziehen. Sein Bein sah furchtbar aus. Ich rief den Notdienst, der auch schnell kam. Der Notarzt nahm ihn mit ins Krankenhaus. Sicher war das Bein gebrochen … und der arme Jamie hatte solche Schmerzen … und alles war meine Schuld … und hätte ich nur nicht gesagt, er solle mir helfen … und vielleicht konnte er nie mehr richtig laufen … und und und. Eine Woche später war Jamie wieder zu Hause. Ich fand ihn auf Epico über den Hof reitend. Mit Beinschiene für das gebrochene Bein und Gehhilfe unter dem Arm …
Gillian: „Was geht hier vor?! Jamie, Du warst eine Woche im Krankenhaus. Jetzt bist Du gerade mal einen Tag wieder hier und sitzt auf einem Pferd?!“
Jamie: „Wo sollte ich sonst sitzen? In meinem Zimmer gibt es nur einen Hocker und der ist voll mit meinen Klamotten. Mit der Schiene kann ich übrigens besser reiten – als laufen. Und für den Notfall, klemmt die Gehhilfe unter meinem Arm … schau!“
In der Zeit in der Jamie nicht da war, hatte ich weiter mit Rose trainiert. Ich hatte sie vor einen Schlitten gespannt und das schien ihr zu gefallen. Das wollte ich Jamie zeigen. Ich zwang ihn vom Pferd herunter und in den Schlitten. Wir machten eine kleine Fahrt.
Gillian: „Siehst Du, ich wusste doch eine bessere Sitzgelegenheit! Rose findet das Schlittenziehen super, sicher weil er nicht so schnell anrollt wie ein Wagen. Aber den Wagen machen wir ihr auch noch schmackhaft.“
Jamie: „Früher war ich mal ein cooler Typ und wo bin ich gelandet?! Als Invalide in einem Schlitten, der auch noch von meiner Chefin gefahren wird! Mir kommen die Tränen…“