Im verschneiten Wald entdeckt Gillian eine verletzte Hirschkuh mit ihrem Kalb. Die Rettungsaktion führt sie, Josh und zwei wilde Nächte an einen Ort, den sie nicht vergessen wird.
Ich machte einen Ausritt mit einem unserer Ranch-Pferde durch die Wälder unweit von Meadowland. Am Waldrand auf einer Lichtung stand eine Hirschkuh mit ihrem Kalb. Langsam ritt ich etwas näher. Der Schnee unter dem Tier war rot und man konnte eine lange Wunde am linken Vorderbein sehen. Die Hirschkuh bewegte sich keinen Millimeter. Vermutlich konnte sie nicht laufen und dachte, wenn sie starr steht würde man sie nicht sehen. Schnell machte ich mich auf den Weg zurück zur Ranch.
Gillian: „Josh da ist eine verletzte Hirschkuh im Wald. Sie hat ein Kalb dabei. Reitest Du mit mir hin?“
Josh: „ Sie wird uns nicht an sich heranlassen. Schon gar nicht wenn ein Hirschkalb dabei ist.“
Als wir an der Lichtung ankamen, waren beide verschwunden. Da die Hirschkuh stark blutete, war eine tiefrote Spur im Schnee zu sehen, die weiter in den Wald hineinführte. Wir folgten der Spur eine ganze Weile, dann lichtete sich der Wald. Da lag sie und daneben stand das Kalb. Wir konnten sehr nah herangehen.
Gillian: „Sie kann nicht mehr laufen. Wir müssen sie mitnehmen.“
Josh: „Ich hole den Transporter. Wir bringen sie zu Hugh nach Südhuf. Er kennt sich besser mit solchen Verletzungen aus.“
Wir verluden Mutter und Kind in den Transporter und setzten mit der Fähre nach Südhuf über.
Gillian: „… und warum konnten wir sie nicht bei uns versorgen … und das süße Kalb … und …“
Josh: „Die Tierärztin hat Urlaub … wo soll das süße Kalb wohnen … wer soll sich täglich um die Wunde kümmern …“
So ging das die ganze Fahrt über. Fazit war, dass wir kein einziges Wort mehr miteinander redeten, als die Fähre in Südhuf anlegte. Ich war auf 180 und dieser Josh schien die Stille sichtlich zu genießen. Dann schaltete er auch noch das Radio ein und pfiff zur Musik. Auf der Rettungsranch angekommen schaute Hugh sich die Wunde sofort an und versorgte sie.
Hugh: „Die Wunde war nicht tief. Ich hab sie desinfiziert und einen Verband angelegt. Die beiden sollten ein paar Tage hier bleiben. ‚Wir stellen sie ins Futterlager. Ich muss jetzt weg. Ihr solltet heute Nacht bei ihnen bleiben. Die letzte Fähre ist sowieso schon weg.
Gezwungenermaßen verbrachten wir die Nacht bei den beiden im Futterlager.
Josh: „Eine Nacht mir Dir hab ich mir eigentlich anders vorgestellt.“
Gillian: „Oh Josh, das geht mir genauso. Eine Nacht mit Dir … wir hätten den Stall streichen können oder die Sattelkammer endlich mal aufräumen oder …“
Einige Tage später brachte Hugh die Hirschkuh und ihr Kalb zurück. Die wunde war gut verheilt und musste nicht weiter behandelt werden. Wir brachten die beiden an die Stelle, an der ich sie zum ersten Mal gesehen hatte. Zwei andere Hirsche traten aus dem Wald.
Gillian: „Sieht aus, als würden sie schon erwartet werden.“
Hugh: „Es ist immer wieder ein erhebender Momen, wenn die Tiere wieder zu ihren Herden zurückgehen. Und hast Du gesehen, als die Hirschkuh merkte, dass sie Hilfe braucht, vertraute sie dem Mensch.“
Josh stand schniefend vorm Stall als ich zurückkam.
Josh: „Ich bin voll erkältet … Hirsche im Wald suchen, in einem Schuppen übernachten … wer pflegt mich jetzt?“
Gillian: „Ich hab Dir ja gleich gesagt, zieh eine Jacke an … und dann das Hemd, hast Du nur das eine … bei dem Wetter wäre eine Mütze besser gewesen als der Hut …“